Salon Suisse 2018 - En marge de l’architecture: Encounters beyond the discipline

 

 

 

Angesichts globaler wirtschaftlicher Verflechtungen und Interdependenzen, die unmittelbar die Existenz jedes Einzelnen betreffen, angesichts komplexer transnationaler Macht- und Entscheidungsstrukturen, welche die Demokratie und die in ihr garantierten Möglichkeiten zivilen Engagements herausfordern, angesichts einer schwindelerregend schnell voranschreitenden Digitalisierung, die drauf und dran ist, den Menschen genauso wie seine gesamte Lebensumwelt neu zu definieren, ist auch das Selbstverständnis der Architektur und der Architekten in Frage gestellt. Die tradierte Rolle der Architektur als baulicher Ausdruck einer Kultur, als sinnstiftende Gestaltung und Formung des Lebensraums scheint je länger je mehr der Marginalisierung anheim zu fallen: Ist die «Baukunst» vielleicht bloss noch die schillernde Verkleidung von Realitäten, welche sie weder beeinflussen noch gestalten kann und die viele Architekten und Architektinnen vielleicht auch gar nicht symbolisieren möchten? Findet sich der Architekt nur mehr zum Erfüllungsgehilfen einer anonymen Immobilienwirtschaft degradiert? Welche gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung kann die gebaute Umwelt unter diesen Umständen noch haben? Und wie würde eine Kultur, die es verdient, als «menschlich» bezeichnet zu werden, in architektonischer Hinsicht aussehen?

In der langen Geschichte der Architektur waren stets solche Momente die fruchtbarsten, da sich ihr Diskurs öffnete und sich von Ideen und Erkenntnissen aus anderen Disziplinen inspirieren liess. Heute ist es wieder Zeit, die Segel zu setzen und in See zu stechen. Die Reise führt zu Philosophinnen und Anthropologen, Schriftstellerinnen, Musikern und Künstlerinnen, Komparatisten und Sozialforscherinnen. Durch die Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit und deren Verbindung zur Architektur eröffnet sich ein neuer Blick nicht nur auf die Potentiale der Architektur im 21. Jahrhundert, sondern auch auf die verborgenen Verbindungslinien, die zwischen ihr und anderen künstlerischen oder wissenschaftlichen Disziplinen seit jeher verlaufen.

Die ursprünglich aufklärerische Idee des «Salons» als Ort der kultivierten informativen Unterhaltung und des gesellig gesellschaftlichen Austauschs lebt im Palazzo Trevisan wieder auf. Jede Soirée bietet auch ein kulturelles Erlebnis – sei es ein Konzert, ein Vortrag oder eine Aufführung –, das dem Gespräch einen gemeinsamen Ausgangspunkt gibt.

Der «Salon Suisse» wurde am 24. Mai 2018 mit dem Salon d'ouverture eröffnet. Zum Auftakt gab es in der Chiesa Sant Agnes eine Musikperformance von Fritz Hauser und Martina Brodbeck, welche die Beziehung zwischen der Musik und der Architektur sinnlich erfahrbar machte. Danach begrüssten Marianne Burki und die vier Saloniers die sehr zahlreich erschienen Gäste und präsentierten das Programm des «Salon Suisse 2018». Den Abschluss machte der Schauspieler und Musiker Hanns Zischler mit einem Lied aus dem Berlin der 80er Jahre. Hier einige Impressionen:

v.l.n.r: Laura Tinti, Sandi Paucic, Tim Kammasch, Marianne Burki, Stanislas Zimmermann, Rachele Giudici, Marcel Bächtiger. Images by Rachele Maistrello.


Im Herbst folgen die drei längeren Salons:

Salon 2: Do, 13. bis Sa 15. September 2018: Reconsidering the cultural value of architecture

Salon 3: Di, 2. bis Sa, 6. Oktober 2018: Investigating space as medium

Salon 4: Do, 22. bis Sa, 24. November 2018: Sailing into tomorrow - but how?

 

Kuratoren: Marcel Bächtiger, Tim Kammasch, Laura Tinti, Stanislas Zimmermann 

Grafik: Atelier Pol und Ronny Hunger

Typ: Rahmenveranstaltung der 16. Internationalen Architekturausstellung - La Biennale di Venezia  

Ort: Palazzo Trevisan degli Ulivi, Campo S. Agnese, Dorsoduro 810, Venezia 

Auftraggeber: Pro Helvetia 

Jahr: 2018

 

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